Der Vulkanausbruch

La Palma ist eine Vulkaninsel. Die Erde bebt dort immer wieder ein bisschen, aber meistens bekommen die Bewohner nichts davon mit. 1949 war der San Juan ausgebrochen und 1971 der Teneguia. 2021, 50 Jahre später, begann die Vulkankette der Cumbre Vieja zu rumoren.

 

Schon Tage zuvor hatten immer wieder spürbare Erderschütterungen die Isla Bonita heimgesucht. Am 19. September kam es zum Ausbruch. Die Casitas waren zu der Zeit bis auf einen Gast unbewohnt. Gerade war dort eine Photovoltaikanlage montiert worden. Andere Baumaßnahmen waren noch im Gang und die Bungalows waren noch Baustellen. Die Hacienda war bewohnt: Svenja im Estrella, Ulrike und Dieter im Bonita, Kati, Christoph und der kleine Moritz im Alegria, belgische Gäste im Diversidad und Rainer im Fortuna. Svenja entdeckte als erste die riesige Rauchsäule, als sie in der Siesta-Zeit am Pool lag. Sie weckte die anderen, und nach einigem Hin und Her beschlossen sie, die Hacienda zu verlassen. Dieter und Ulrike waren zu der Zeit am Strand. Dort sollten sie später von der Polizei eingesammelt und in eine Kaserne in Santa Cruz zur Not-Übernachtung gebracht werden.

Die anderen reihten sich ein in den Autostrom der Flüchtenden Richtung Los Llanos. Bei Stefan im La Luna wurde beratschlagt, was weiter geschehen sollte. Rainer zog zu Susanne. Die vier anderen fuhren in die Casitas, die als sicher galten. Aber auch da erschütterten immer wieder Erdbeben die Erde, glühte der Lavastrom gefährlich in der Dunkelheit. In der Nacht des 19. September verließen sie die Anlage und fuhren zu Bekannten im Norden. Auch der letzte Feriengast verließ noch in der Nacht die Anlage. Niemand sollte danach jemals wieder in den Casitas wohnen.

Die Umgebung des Ausbruchs wurde weiträumig zur Sperrzone erklärt. Nur wenigen gelang es, mit Polizeibegleitung einige Minuten in ihre Häuser zu gehen, um das Notwendigste zusammen zu suchen. Der Vulkan spuckte weiter Lava. Am 22.September wurde Todoque verschüttet, nur die Kirche stand noch, bis auch sie fünf Tage später dramatisch unter der Lava verschwand. Am 25. 9. durften Stefan und Rainer für kurze Zeit auf die Hacienda, um einige zurückgelassene Wertgegenstände zu holen und um nach dem Hacienda-Kater Bruno zu suchen. Aber Bruno war verschwunden.

Am 10. Oktober ergoss sich ein Lavastrom, der große Teile von La Laguna unter sich begrub und unmittelbar neben den Casitas entlanglief. Damit waren die Casitas vollkommen isoliert. Das Bild der Anlage inmitten des Lavagesteins wurde fast zu einem Symbol der Bedrohung auf der Insel und schaffte es sogar als Titelfoto auf El Pais, die größte Tageszeitung Spaniens.

Das Leben mit dem Vulkan war anstrengend. Rainer und Susanne erzählen, dass es über Wochen ständige Erdstöße gab. Alle Fensterscheiben im Haus klirrten permanent, und Tag und Nacht war das Grollen des Vulkans zu hören: laut wie ein Kriegsszenario mit donnernden Kampfjets und Bombeneinschlägen. Lava-Asche regnete aus Südosten – auch auf die Hacienda und je nach Wetterlage über die ganze Insel. Die Lavapartikel in der Luft kratzten in Augen und Lungen. An manchen Tagen konnte man ohne Schutzbrille das Haus nicht verlassen. Lavaasche und schwarzer Feinstaub drang durch jede Ritze. Trotzdem war der Anblick des Vulkans bei all seiner zerstörerischen Kraft aber auch immer wieder grandios und faszinierend.

Am 24.Oktober konnten Rainer und Stefan mit Helfern zum ersten Mal etwa 45 Minuten lang auf der Hacienda sein. Alles war unter einer dicken Ascheschicht versunken, nur mit einem geländegängigen Jeep mit Allradantrieb konnte man die steile Einfahrt noch befahren. Unter anderem wurden Sabines Kunstwerke abgeholt, später im La Luna ausgestellt und zu Gunsten der Vulkanopfer zum Verkauf angeboten. Ohne die drei Helfer des palmerischen Katastrophenschutzes, die jeden Gegenstand zu Fuß die steile Einfahrt hinauftrugen, wäre diese Sicherungsaktion nicht möglich gewesen. Die BuenVivir-Mitglieder und der Verein hatten zuvor 10.000 Euro für die Vulkanopfer in den Gemeinden Los Llanos, Tazacorte und El Paso gesammelt

In der Nacht vom 20. auf den 21. November begrub ein neuer Lavastrom die Casitas endgültig unter sich.

Am Tag danach fanden Christin und Thomas nach einer langen Suche auf der Hacienda Bruno und brachten ihn in einer nicht ganz ohne menschliche Verletzungen abgehenden Rettungsaktion zu Rainer in die Casa Riki, wo er ein neues Leben als Hauskater begann.

Am 5.12. floss ein Lavastrom in die Einfahrt der Hacienda, zerstörte das Nachbarhaus, stoppte aber unterhalb der Gebäude. Damit war die Hacienda zwar nicht zerstört, aber völlig abgeschnitten – auch die Strom- und Wasserzufuhr waren zerstört.

Am 25.12. wurde der Vulkanausbruch für beendet erklärt. Es war der längste Ausbruch, den La Palma jemals erlebt hat. Viel wurde zerstört, viel ging verloren, aber alle haben überlebt. Bis die Hacienda wieder schön und urlaubstauglich ist, wird es sicher noch eine ganze Weile dauern. Die Casitas sind verloren, aber die Gruppe hat sich schon auf die Suche gemacht und es gibt ein neues Projekt, sodass den Casitas BuenVivir schon bald die wunderbare Finca Marina folgen wird.